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  1. FC Köln
 

GeißbockEcho


Heft Nr. 9
ADIL CHIHI
Eine Frage der Ehre

 
Als Wolfgang Overath auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung verkündete, dass Adil Chihi (18) beim 1. FC Köln einen Profivertrag bis zum Jahre 2011 unterzeichnet hat, brandete großer Applaus in der Rheinparkhalle 3 auf. Innerhalb kürzester Zeit ist es Chihi gelungen, sich beim FC von der U17 bis in die Profimannschaft vorzukämpfen.
Von Götz Großhans
 
Adil Chihi sieht abseits des Fußballplatzes nicht wie ein 18-Jähriger aus, er wirkt jünger. Er interessiert sich "für Basketball, Musik und für alles, wofür sich andere Jungs auch interessieren." Adil Chihi ist ein ganz normaler Jugendlicher, der gerne "Fußball zockt" - nur macht er dies besser als die meisten anderen in seinem Alter. Das war schon während seiner Kindheit und frühen Jugend so. Adil durfte als einziger "Kleiner" bei den Großen mitspielen und auf dem Bolzplatz in Düsseldorf-Eller ging es nicht immer zimperlich zu. Diese Zeit hat ihn geprägt und stark gemacht. Auch wenn er nicht so aussieht, Adil ist ein starker junger Mann, der sich viel vorgenommen hat und dem viel zugetraut wird.
 
Adils Eltern stammen aus Marokko, er selbst ist in Düsseldorf geboren und aufgewachsen - zu Hause sprechen sie einen "Mischmasch" aus Deutsch und Marokkanisch. Seine Familie bedeutet Adil sehr viel, sie schenkt ihm Geborgenheit, gleichzeitig aber auch einen gewissen Grad an Verantwortung - er ist das älteste von fünf Kindern im Hause Chihi. Seine Familie zu verlassen, war deshalb für ihn die größte Prüfung, als er im Sommer 2004 zum 1. FC Köln wechselte.


Zuvor hatte er beim FC Tannenhof, dem DSV Düsseldorf und ab der U14 bei Fortuna Düsseldorf gespielt. Vier Vereine in der Jugend zeugen normalerweise von einem etwas unsteten Lebenswandel, bei Adil Chihi sind sie Ausdruck für eine rasante, zielgerichtete Entwicklung. Vom "Verein in meinem Dorf" über einen etwas stärkeren Club in der Nähe zum größten Verein der Stadt und schließlich zu einem Bundesligaclub, dem 1. FC Köln. Der ehemalige FC-Junioren-Trainer Thomas Schumacher "entdeckte" Chihi bei einem Spiel der U16 von Fortuna Düsseldorf. Wie Schumacher einmal dem Kölner Express verriet, schoss Adil vier oder fünf Tore und beeindruckte durch die Art, mit der er das tat. Neben seiner Torgefährlichkeit fielen besonders seine Schnelligkeit, sein gutes Auge und seine Raffinesse auf.
 
"Am Anfang fiel mir der Wechsel zum FC schwer. Die ständige Hin- und Herfahrerei zwischen Köln und Düsseldorf war anstrengend und die permanente Trennung von der Familie machte es auch nicht leichter", gibt Adil offen zu. Im nächsten Satz ordnet er die "Opfer" dann schon wieder professionell ein: "Aber wenn man den Fußball liebt, dann macht man so etwas - es hat sich alles ausgezahlt." Adil ist konsequent und wagt den ganzen Schritt. Er zieht zu Hause aus und stattdessen ins Sportinternat Köln. Die ersten Wochen sind schlimm, aber dann wird es besser: "Die Leute vom Internat haben mich unterstützt, wo sie nur konnten", erinnert sich Adil heute gerne an das Jahr zurück. "Ich bin oft mit dem Fahrrad vom Internat zum Training am Geißbockheim gefahren und immer wenn ich am RheinEnergieStadion vorbei gekommen bin, habe ich gedacht. 'Da möchte ich irgendwann auch einmal drin spielen'."


Chihi nimmt auf seinem Weg nach oben meist zwei Stufen auf einmal: Zunächst spielt er altersgemäß in der U17, doch schon nach einem halben Jahr wird er zur U19 "hochgezogen". Im Jahr darauf "überspringt" er wieder ein Jahr - ihm gelingt der Sprung zur U23 des FC. Und vor der Saison 2006/2007 findet sich Adil Chihi plötzlich mit sechs anderen Spielern der U23 im Trainingslager der Profis wieder. "Man braucht auch ein bisschen Glück", sagt er rückblickend fast entschuldigend und man hat nicht den Eindruck, dass Chihi darauf spekuliert hat, nach dem Trainingslager zum Profi-Kader zu gehören. "Ich habe mich einfach nur gefreut, dass ich mit den Profis ins Trainingslager fahren durfte - das war eine Ehre für mich." Wenn er aber schon einmal vor Ort ist, dann gibt Adil auch Vollgas. "Jeder hatte die Chance sich zu beweisen", erläutert er. Dass nur Chihi diese Chance nachhaltig genutzt hat, erwähnt er allerdings nicht, wahrscheinlich denkt er es noch nicht einmal.
 
Bei aller äußerlichen Jugendlichkeit ist Adil Chihi äußerst fokussiert auf seine persönliche Situation. Dank dieser frühen Professionalität, seines Engagements und natürlich seines herausragenden Talents steht Adil Chihi am Ende der Vorbereitung 2006/2007 im Profi-Kader des 1. FC Köln. Und nicht nur das, am 14. August 2006 ist er beim Saisonauftakt in Augsburg sogar in der Startelf. Was zunächst als "Reinschnuppern" angedacht war, entwickelt sich in der Folgezeit zum "learning by doing".


In den ersten Saisonspielen wechselt sich Chihi mit Matthias Scherz auf einer Stürmerposition ab - für ihn wieder eine Ehre: "Ich bin stolz, mit solchen Spielern trainieren und spielen zu dürfen und hole mir jede Menge Tipps bei ihnen." Natürlich wird im Kollegenkreis auch geflachst - Chihi ist schließlich der Benjamin der Gruppe. Er kommt mit seiner Rolle aber ganz gut zurecht und hat eine angemessene Portion Respekt gegenüber seinen älteren Kollegen: "Ich kann zum Beispiel nicht sagen: 'Ey, Scherz, trag mal die Kiste', das ist doch normal." Diese Einstellung hindert Adil allerdings nicht daran, bei jedem Training Vollgas zu geben, um dem Trainer zu zeigen, dass er am kommenden Spieltag in die erste Elf gehört.
 
Adil Chihi steht im Laufe der Saison meistens in der ersten Elf. Und wenn er einmal nicht von Anfang an spielt, wird er eingewechselt - Chihi ist der einzige Feldspieler des FC, der bisher bei allen 18 Pflichtspielen der Saison eingesetzt wurde. Dabei gelangen ihm sechs Tore, drei in der Liga und drei im DFB-Pokal. Obwohl infolgedessen der Medien-Hype um ihn einsetzt und Vergleiche mit Lukas Podolski angestellt wurden, bleibt Chihi auf dem Teppich. "Wie ich gemerkt habe, gehört das zum Geschäft dazu", registriert er den Rummel um seine Person erstaunlich abgeklärt. Auch der große Fan-Zuspruch und die vielen Zuschauer insbesondere bei den Heimspielen im RheinEnergieStadion scheinen ihn nicht einzuschüchtern: "Vor 50.000 Zuschauern den Platz zu betreten, ist einfach ein geiles Gefühl", kommentiert er für seine Verhältnisse fast schon überschwänglich das enorme Fan-Interesse. "Wenn dann aber angepfiffen wird, konzentriere ich mich nur noch auf das Spiel. Mir ist in diesem Moment egal, was um mich herum passiert. Egal ob auswärts oder zu Hause, es ist 'nur' ein Fußballspiel."


Der FC versucht Chihi - der noch in der U19 spielen könnte - soweit es möglich ist zu schützen. Er wird regelmäßig ausgewechselt, um die körperliche Beanspruchung in Grenzen zu halten, von der Presse wird er weitestgehend abgeschirmt und den Spekulationen um seine Vertragssituation wird keine Nahrung gegeben. Stattdessen handeln der 1. FC Köln und Adil Chihi. Die beiden Partner wandeln den Jugend-Fördervertrag, der bis 2010 datierte, in einen Profi-Vertrag mit einer Laufzeit bis 2011 um. "Ich habe dem FC sehr viel zu verdanken und bin fest davon überzeugt, dass ich mich hier gut weiterentwickeln kann. Und ich glaube auch, dass ich mit dem FC Erfolg haben werde", so Chihi. Der rasante Karriereverlauf beschränkt sich aber nicht nur auf den Vereinsfußballer Adil Chihi, sondern wirkt sich auch auf den Nationalspieler Adil Chihi aus. Mit Marokko erreicht er 2005 bei der U-20 WM in den Niederlanden das Halbfinale, anschließend buhlen sowohl der deutsche als auch der marokkanische Fußballverband um ihn. Nach kurzem Hin und Her hört Chihi auf sein Herz und entscheidet sich für das Land seiner Eltern: "Es ist eine Ehre, für mein Land zu spielen, Marokko ist fußballverrückt, alle sind mit dem Herzen dabei." Sein größter Traum wäre es, sich mit Marokko für die WM 2010 in Südafrika zu qualifizieren. Aber Chihi träumt nicht lange: "Der Verein geht vor", bremst er sich selbst. Mit der Unterzeichnung seines ersten Profi-Vertrages hat er sich bereits seinen ersten Kindheitstraum erfüllt. "Ansonsten bleibt aber alles beim Alten bei mir, ich kaufe jetzt nicht plötzlich irgendwelche Dinge für ein paar Tausend Euro. Ich bin so wie ich bin - nur dass ich jetzt halt professioneller Fußballer bin."
 
Ein bisschen hat sich aber doch geändert, Adil hat mittlerweile seine erste eigene Wohnung in Köln bezogen und anstatt mit seinen Freunden einfach mal "abzuhängen", findet er sich plötzlich auf einem professionellen Foto-Shooting im adidas Originals Store auf der Kölner Ehrenstraße wieder. Hier, abseits des Fußballplatzes, sieht er dann wieder so aus, wie ein ganz normaler 18-Jähriger. Einer, der gerne "Fußball zockt"...


 
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